"Sehr geehrte Verwaltung der Universität München!

Ich habe Ihr Schreiben vom 19.03.1999 sowie die Mitteilung zur Satzungsänderung, §§ 12 und 16, Absatz 3, Satz 7, vom 03.02.2000 dankend zur Kenntnis genommen. Ebenso Ihre freundlichen Erinnerungsschreiben vom 13.06., 14.07. und 15.08.2000, die Veröffentlichung im bayerischen Amtsblatt No. 213, S. 12 unten, sowie Ihre Ausführungen 'Erläuterungen zur Ausführungsbestimmung zur Durchführung von LEERveranstaltungen an der Universität München', Teile 3 und 6 (2000/IV und 2001/I) und die dazugehörigen Nebenbestimmungen für Assistenten der Gehaltsklasse C1.
Ihrem bereits wiederholt ausgesprochenen Wunsch nach einer Stellungnahme zum Sachverhalt folgend nehme ich nunmehr wie folgt Stellung:

Es ist richtig, dass ich mein LEERdeputat seit dem WS 2000/2001 von sechs auf nunmehr eine Wochenstunde reduziert habe. Der Grund liegt, wie ich bereits in meinen Schreiben vom 16.09.2000 und 19.12.2000 ausführlich erläutert hatte, nicht etwa darin, dass ich meinen LEERverpflichtungen nicht mehr nachzukommen willens bin, sondern an der oben angeführten 'Änderung der Ausführungsbestimmung usw.'
Ich darf erinnern, dass es der Wunsch der Verwaltung war, dass alle LEERveranstaltungen zukünftig synchron zu den geradzahligen Stunden beginnen sollten, damit Studenten verschiedener Fächerkombinationen weniger Überschneidungen in ihren Stundenplänen hätten. Ich habe mich natürlich sofort bemüht, dieser sehr weitsichtigen Vorschrift nachzukommen, um die Qualität der LEERE an der Universität München weiter zu verbessern, und habe die von mir angebotenen LEERveranstaltungen entsprechend terminlich umgelegt.

Leider ergaben sich in der Praxis folgende Schwierigkeiten, die ich mir erlaube, im weiteren im Detail zu erläutern:

Im Zeitrahmen Mo 8:00 - 10:00 Uhr erschienen leider keine Studierenden in meiner LEERveranstaltung. Eine stichprobenartige Befragung (welche keinerlei Anspruch auf statistische Validität erhebt) ergab folgende Aussage:
'Was? Montag um 8 Uhr? Abends?'
'...'
'Morgens?! Aber da schläft man doch noch!'

Fast die selbe Situation ergab sich für meine LEERveranstaltungen im Zeitraum 12:00 - 14:00 Uhr. Intensive Recherchen meinerseits ergaben schliesslich, dass der Grund hierfür darin zu finden ist, dass nur in diesem Zeitraum in der Mensa der Universität einigermaßen temperierte Speisen zu erhalten sind.

Im Zeitrahmen 10:00 - 12:00 und 14:00 - 16:00 Uhr erschienen ebenfalls zu wenige Studierende, um die angekündigte LEERveranstaltung durchführen zu können, weil die übrigen Dozenten in der weisen Voraussicht, dass um 8 Uhr niemand erscheinen würde, ihre sämtlichen Veranstaltungen auf diese Zeitpunkte gelegt hatten, und somit zu viele Doppelbelegungen vorhanden waren. Außerdem war es sowieso unmöglich, für mehr als eine LEERveranstaltung pro Woche einen Raum zugewiesen zu bekommen.

Die einzige Veranstaltung, die ich daher nach der neuen Regelung noch durchzuführen in der Lage war, ist somit das Oberseminar 'Neue Multimediatechniken für die Kompetitive Spieltheorie' ab 16 Uhr.

Ich denke, damit alle Ihre Fragen bezüglich meiner zurückliegenden LEERtaetigkeit erschöpfend beantwortet zu haben, und verbleibe

Hochachtungsvoll,

Leisch"



Ich speichere den Text ab und schicke das ganze im WordPerfect94-Format an die Verwaltung. Kein Mensch hat dort jemals von WordPerfect auch nur gehört. Um mir nachher nicht nachsagen lassen zu müssen, ich sei nicht kooperativ, drucke ich den Brief zusätzlich mit einem Nadeldrucker, der aus nostalgischen Gründen im Rechnerraum herumgammelt, auf angegilbtes Umweltschutzpapier und faxe das Ganze mit low quality transfer rate an eine Fax-Nummer der Verwaltung (natürlich an die, die am weitesten vom Büro des Sachbearbeiters entfernt ist!).
Seufzend schaue ich auf die Uhr in meinem Display. Schon wieder 4 Uhr! Der Uni-Job kann einen echt aufreiben! Zeit für das Oberseminar 'Neue Multimediatechniken für die Kompetitive Spieltheorie'. Ich werfe die neueste Netzversion von DooM an und lade die Szenario-Dateien von letzter Stunde auf den Server. Nach und nach logen sich die Teilnehmer des Oberseminars ein, größtenteils genervte Assistenten der umliegenden Institute, die nach den geradzahlige terminierten Seminaren endlich auch mal 'n bisschen Spaß haben wollen...

Copyright Florian Schiel 2001