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"Computers are like airconditioners: They stop working properly if you open windows."

Den Spruch kennt ihr natürlich alle! Und wenn noch nicht, dann kennt ihr ihn halt jetzt und könnt ihn euren todlangweiligen Kollegen beim Lunch erzählen. Oder beim nächsten Job-Interview! Oder bei euren nächsten TV-Show-Auftritt! Oder wen ihr sonst noch nerven wollt! Und alle denken natürlich, es handele sich um ein nettes Wortspielchen. Haha, wie lustig! Aber heute morgen öffne ich das Fenster, weil in meinem Büro eine schwüle Atmosphäre wie in einer südmalaiischen Orchideen-Fälschungs-Plantage herrscht, und sofort stürzt mein PC ab! Die meisten Leute hätten an meiner Stelle neu ge-bootet und wären mit einem Achselzucken zur Tagesordnung übergegangen. Manchmal denke ich, dass diese Leute ganz einfach zuviel arbeiten, um sich mit den wirklich interessanten Dingen des Lebens auseinanderzusetzen!
Ich dagegen, als ernsthafter Wissenschaftler, schliesse das Fenster, boote neu und öffne darauf das Fenster sofort wieder.
Der PC gibt ein ersticktes Plattengeräusch von sich und friert ein. Ich versuche einen Soft-Reset - keine Reaktion! Alles tot! Ich schliesse das Fenster und höre hinter mir, wie die Platten wieder anfahren!

Einige von euch werden sicher schon mal von der berühmten Geschichte mit dem Auto gehört haben, das auf verschiedene Eissorten empfindlich reagierte. Ein Kunde einer bekannten amerikanischen Autofirma beschwerte sich beim Kundendienst, dass sein neu gekaufter Wagen sich immer dann weigerte anzuspringen, wenn er gerade Vanille-Eis eingekauft hatte (der Kunde natürlich, nicht der Wagen!). Bei allen anderen Eissorten sprang der Wagen dagegen tadellos an. Das Ganze passierte nur zu einer bestimmten Tageszeit (nach dem Abendessen) und vor einem bestimmten Geschäft, zu dem der Kunde fuhr, wenn seine Brut den Wunsch nach Eiscreme verlauten liess. Zuerst tat die Kundenbetreuung das, was jede moderne und gut eingearbeitete Kundenbetreuung macht: sie schmiss den Brief in den Papierkorb. Aber der Kunde war hartnäckig und schickte einen zweiten Brief, der irgendwie aus Versehen auf dem Tisch des Präsidenten der Autogesellschaft landete, und schliesslich wurde ein Ingenieur vor Ort geschickt, um sich die Sache mal anzusehen. Er fuhr also mit dem Kunden nach dem Abendessen zu dem betreffenden Supermarkt, sie kauften ein Vanilleeis, und - der Wagen sprang nicht an. Den nächsten Abend kauften sie eine andere Geschmackssorte und der Wagen sprang anstandslos an. Sie wiederholten das Spiel mehrere Tage lang und jedesmal, wenn Vanille in der Einkaufstüte schmolz, weigerte sich der Wagen anzuspringen. Normale Menschen sagen in diesem Falle: "It's magic!" und rufen CNN an, werden von einem eilends eingeflogenen Kamerateam interviewt und für zwölfeinhalb Sekunden lang berühmt. Nicht so der Ingenieur: er fand tatsächlich nach langwieriger und sorgfältiger Beobachtung heraus, warum das Auto kein Vanilleeis mochte.
Ich weiss, ich weiss: ihr wollt es jetzt auch alle wissen, aber leider Teufels ist genau das die Frage des diesjährigen

GROSSEN B.A.F.H. FRÜHLINGS-QUIZ

Die Frage im allseits beliebten B.A.f.H.-Quiz lautet also diesmal:
"Was bewirkt, dass ein bisher unauffälliges, ganz normales Mittelklasse-Auto plötzlich eine Abneigung gegen Vanilleeis entwickelt?"
Ok, ok, ich hör' jetzt schon ein paar hundert Bastard-Fans jubeln:
"Klasse! Die Geschichte kenn' ich doch! Da hab ich so gut wie gewonnen!"
Sorry, Boys and Girls! Diesmal gewinnt nicht die RICHTIGE Antwort sondern die PHANTASIEVOLLSTE und WITZIGSTE Antwort, am besten von beiden eine tüchtige Portion, gewürzt mit einer Priese TechnoTalk.
Also: wer eine gute, witzige und vor allem in sich stimmige Erklärung weiss, warum unser Auto alles nur keine Vanille mag, der schreibe mir seine Erklärung per email an die übliche Adresse (nicht mehr als 4000 Wörter bitte!), und unser Preiskomitee, bestehend aus Frau Bezelmann, dem Raben Nero und meiner Wenigkeit, wählt dann die beste Lösung aus. Die zehn Top-Erklärungen werden natürlich veröffentlicht und dem Sieger winkt ein Bastard-T-Shirt (oder wenn er das schon hat, eben irgendwas anderes!).

Zurück zu meinem Bürofenster. Wenn schon so ein popeliger Auto-Ingenieur am Ball bleibt, kann der B.A.f.H. schlecht zurückstecken. Ausserdem predige ich ja auch immer meinen Studenten, dass das Wichtigste in der Wissenschaft Durchhaltevermögen sei; am besten hat man die Hartnäckigkeit eines Oppossums, das sich bei 80 km/h in einen drehenden LKW-Reifen verbissen hat.
Keine vier Tage und ca. 870 Boot-Versuche später habe ich des Rätsels Lösung gefunden. Es ist alles ganz einfach:
Das Öffnen der Fenster in meinem Büro verursacht einen ganz leichten, kaum merklichen Luftzug, der sich durch den Spalt unter meiner Bürotüre, den Gang hinunter bis in das Sekretariat fortsetzt, welches auf der anderen Seite des Gebäudes liegt und immer geöffnete Fenster hat, weil Frau Bezelmann mit den unterkühlten Temperaturen die Mitarbeiter davon abhalten will, unnötig bei ihr herumzulungern. Nun sitzt Nero in seinem Käfig direkt am Fenster und ist als Angehöriger der praktizierten Aviatik ganz besonders empfindlich gegenüber allen Arten von Luftströmungen. Sobald der kühle Luftzug einsetzt, hüpft er sofort von der schattigen unteren Käfigstange auf die sonnige obere und plustert empört seine Federn auf. In dieser Position allerdings fällt sein Schatten auf den halb-transparenten Aufputzkabelkanal B34/5, der an der Wand des Sekretariats verläuft und erschreckt die darin nistende Mäusefamilie. Die Mäusefamilie wiederum flieht auf dem einzigen Weg, der ihnen offen steht, nämlich durch den Wanddurchbruch in den Kabelkanal B34/4 in der Bibliothek, wo sie sich alle hinter dem Subnetz-Verteiler verstecken und dabei einen nicht ganz sauber ge-crimpten Datennetzstecker belasten. Dieser Stecker versorgt zufällig die Steckdose, an der mein PC hängt, der wiederum beim Verbindungsverlust zum Fileserver sofort 'einfriert', weil wir am LEERstuhl immer noch den uralten NFS-Client verwenden, der so tolle Schlupflöcher aufweist.

Irgendwann einmal habe ich in einem Buch gelesen, dass bestimmte, sehr schlaue Leute, behaupten, philosophisch gesehen gebe es gar keine Kausalität, weil niemand dafür einen wirklichen Beweis angeben könne. Ich finde, diese sehr schlauen Leute sollten sich mehr mit den realen Dingen des Lebens auseinandersetzen - zum Beispiel mit Kabelschächten, Raben oder Mäusen...


© Copyright Florian Schiel 2000