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Ich sitze im 'Cafe zum faulen Studenten' und lese Dieter Zimmers letzten Schmöker über den entsetzlichen Verlust der deutschen Nationalsprache.
Draussen schneit es ein paar hundert Flöckchen, und gerade habe ich per Handy bei Frau Bezelmann angerufen und ihr erklärt, dass ich bei so einem Schneesturm unmöglich ins Büro fahren könne und sie solle doch bitteschön den Studenten Bescheid sagen, dass sie erst im Frühling wiederkommen brauchen.
Eine Stunde später bin ich durch den ersten Teil so ziemlich durch (es fängt an sich zu wiederholen), lege das Büchlein kopfschüttelnd zur Seite und bestelle noch einen pan-bajuvarischen Donnergurgler.
In Endeffekt beklagt der Autor mit bemerkenswertem Scharfsinn, dass die Deutschen - also wir - sich lieber englische Ausdrücke aneignen (die sie dann auch noch grauenhaft aussprechen), anstatt sich doch gefälligst auf den eigenen Hosenboden zu setzen und eigene Wörter zu erfinden. Die meisten Beispiele, die er anbringt sind natürlich aus der Computertechnik. Obwohl ich persönlich überhaupt keine Probleme damit habe, wenn mein HiWi hereinstürzt und sagt: 'Die SCSI discs habe ich un-ge-mounted und die FAT disabled. Natürlich musst Du neu booten und dann den daemon killen, bevor die files wieder accessible sind.', kann ich mir vorstellen, dass einige Normalbürger nach solchen Äusserungen in akute Spracherkennungsprobleme laufen.

Nicht verzagen, Bastard fragen!

Das wäre doch gelacht! Wieviele Abonennten sind auf dieser Mailing Liste?
1000? 2000? 10000? Und die meisten wissen sogar, wie man einen Rechner einschaltet und dass die Maus kein elektrischer Fusel-Entferner ist. Wir reden also praktisch vom Hardcore der deutschen Computer-Generation! Also sollte es doch, verdammt nochmal, möglich sein, dass wir uns hier und jetzt ein für alle Mal auf die neue deutsche Computersprache einigen. Und, trotz meiner angeborenen Bescheidenheit und Zurückhaltung, schlage ich in diesem speziellen Falle vor, dass ICH ganz einfach die Wörter vorgebe, und ihr müsst sie euch dann nur noch aneignen. Das sollte den Eindeutschungs-Prozess radikal vereinfachen, nicht? Man denke nur an die Rechtschreib-Reform: Wenn man mich damals gefragt hätte, wäre das alles längst erledigt und vom Tisch. Aber was passiert? Es werden zig Kommisionen mit Ausschüssen und Unterausschüssen gebildet, und das Ergebnis ist, dass wir jetzt alle ein gelbes Buch im Schrank stehen haben, von dem niemand weiss, ob es jemals... aber ich schweife schon wieder ab. Fangen wir lieber an.
Am einfachsten, denke ich, erzähle ich euch eine kleine Geschichte (in Klammern jeweils die englischen Orginal-Ausdrücke), die die neuen Ausdrücke spielerisch vermittelt. Da bietet sich natürlich an, dass wir auf unseren lieben Dieter Zimmer zurückgreifen:

"Wie jeden morgen, den angeblich GOTT erschaffen hat, betritt Dieter Zimmer, der erfolgreiche Autor zahlreicher Sachbücher, mit einer dampfenden Tasse Kaffee in der Hand das gemütliche Arbeitszimmer, wo sein treuer Ziffernkasten (computer) schon auf ihn wartet. Die Rechenflocke (CPU) ist zwar nicht mehr die allermodernste, aber das stört unseren Autor nicht im geringsten. Ganz im Gegenteil ist er vielmehr heilfroh, dass immer noch das uralte Text-Flüchtel (word prozessor) verwenden kann, ohne sich mit lästigen Neublaseln (updates) herumschlagen zu müssen. Mit leisem Schaudern denkt Herr Zimmer an die Geschichte, die ihm ein Kollege kürzlich von seinen Plastel-Problemen (hardware problems) erzählt hat: Dieser Kollege musste tatsächlich eine neue Hauptschindel (mother board) installieren lassen, nur weil er das Flüchtel gewechselt hatte!
Um seine Plastix (hardware) - vor allem die Scheiblinge (disks) - zu schonen, donnert (shut) Herr Zimmer jeden Abend seinen Ziffernkasten ab (down). Während also der Zeus (operation system) andonnert (boot), verscheucht er freundlich die Perserkatze, die es sich wie jeden morgen auf dem Guckeck (display) bequem gemacht hat. Danach hat er noch genug Zeit - der Plastel ist wie gesagt nicht der Allerschnellste - das Rattl (mouse) vom Katzenhaar zu befreien und kurz mit dem Taschentuch über die Glasscheibe des Guckecks zu wischen. Als sicherheitsbewusster Ziffernkasten-Benutzer hat Herr Zimmer für alle Familienmitglieder verschiedene Schächtel (accounts) angelegt, so dass sich jeder in fein säuberlich getrennte Heimos (home directory) einrumsen (ein-loggen) kann.. Während er sein Geheimes (password) eintippt, erwacht mit schrillen Pfeifen das Quieksel (modem) zum Leben. Aber was ist das? Plötzlich bricht das vertraute Kommunikationsgeräusch abrupt ab, und ein orange-rotes Fenster knallt (pop up) auf das Guckeck. Dieter Zimmer blinzelt irritiert und versucht, den in winzigem Rechenkrakl (font) gedruckten Text zu entziffern:

"FEHLER 101: Scheibling D: wurde nicht korrekt eingefatzt (mount)"

Und darunter befindet sich der übliche Hilfe-Drückling (button). Das ist wirklich noch nie passiert! Natürlich knackt (click) der erstaunte Autor auf den Drückling, und sofort erscheint ein neues, grösseres Fenster:

"Der Scheibling D: wurde vermutlich beim Anheulen nicht korrekt eingefatzt. Der Grund liegt vermutlich an einer getechtelten (corrupt) OZT (FAT). Rumsen Sie sich als Thor (superuser) ein und fatzen Sie den Scheibling von Hand aus. Anschliessend donnern Sie ab und heulen den Ziffernkasten wieder an.
Eventuell empfiehlt es sich, den Zeus neu zu blaseln."

Eine Zornesfalte steht drohend auf der hohen Schriftstellerstirne. Der idyllische Morgen ist natürlich dahin. Wie er diesen unverständlichen computer slang hasst! Was soll ein normaler Mensch mit so einem bull shit anfangen?!"

© Copyright Florian Schiel 1998