| Technical Exorcist |
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| Montag, den 09. Oktober 2006 um 16:00 Uhr | |
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Ich bin zu nachtschlafender Zeit, also so gegen elf Uhr, schon in meinem Allerheiligsten und schon voll im Stress. Das heißt, ich browse in den Online-Zeitungen. Hmm, sieht ganz so aus, als ob ich mich mit der Anschaffung der neuen DVD-Beamer-Dolby5.1-Anlage für das SCHWAFEL-Projekt beeilen sollte: die Mehrwertsteuer wird wohl sehr bald angehoben werden. Wie ich darauf komme? Beweis No. 1: Alle Politiker beteuern unisono, dass sie NICHT angehoben werden wird. Beweis No. 2: Im IKEA-Katalog ist vermerkt, dass alle Bruttopreise nur vorbehaltlich einer Erhöhung der Mehrwertsteuer gelten ... Das kostet mich bestimmt wieder drei bis vier Stunden, allein bis ich die besten Geräte im Internet identifiziert habe! Und dann muss ich auch noch das Beschaffungsformular ausfüllen, und Frau Bezelmann mit irgendetwas bestechen, damit sie es auch an das Department weiterleitet .... Großer Core-Dump! Was für ein Stress! Ich seufze ergeben und nehme noch einen Schluck aus meiner Mega-Thermo-Tasse . Aber der Stoff ist schon wieder alle, und so mache ich mich auf in Richtung Teeküche (warum heißt die eigentlich hartnäckig 'Teeküche'? Bei uns hat noch nie jemand da drin Tee gekocht. Stoff, für dessen Herstellung man keine HighTech-Anlage für 500 Euro benötigt, kann ja auch gar nicht gut sein!) Auf dem Weg dorthin komme ich am Sekretariat vorbei, dessen Türe zu meiner Verwunderung weit offen steht. Drinnen sitzt Frau Bezelmann vor ihrem Mac und hackt eifrig. "Ich dachte, Sie sind schon im Urlaub?" sage ich und gucke Frau Bezelmann über die Schulter, was sie da so eifrig tippt. Sie ist ganz offensichtlich im Account des Chefs und aktiviert gerade das vacation Programm. Ich sehe folgende Out-of-Office-Nachricht auf dem Schirm: "Ihre Email mit dem Titel $SUBJECT kann bis zum 29. Oktober leider nicht gelesen werden, weil meine Assistentin im Urlaub ist, und ich weder Email lesen, geschweige denn beantworten kann. Mit freundlichen Grüssen, Prof. Dr. ..." "Am besten gefällt mir das 'Mit freundlichen Grüssen'", sage ich, "das gibt dem Ganzen erst den richtigen absurden Touch." Frau Bezelmann würdigt mich wie üblich keiner Antwort . Nur an der Art wie sie ganz leicht die Mundwinkel nach unten zieht, sehe ich, dass sie aufs äußerste befriedigt ist. In der Teeküche steht ein angegrauter Alttestamentler und betrachtet mit sorgenvoll gerunzelter Stirne die Spülmaschine. Bei meinem Eintritt blickt er auf und sein bekümmertes Gesicht erhellt sich augenblicklich. Ein paar Wochen später höre ich aus dritter Hand, dass der Alttesti mittlerweile das Kloster wieder verlassen hat und dass es ihm den Umständen entsprechend recht gut geht. Angeblich hat er beschlossen, der Universität den Ruecken zu kehren und eine christliche Beraterfirma zu gründen, die scheinbar unlösbare technische Probleme mit religiösen Methoden löst. Copyright Florian Schiel 2004 |


